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Demenz und Schmerz

Ein Ratgeber für Angehörige, Betreuer und professionell Pflegende von Demenzkranken. Ziel ist das Erkennen und der angemessene Umgang mit Schmerzen bei Patienten mit dementiellen Erkrankungen.

Das Buch mit 76 Seiten ist im Deutschen Palliativverlag erschienen. Es kann kostenlos heruntergeladen werden (siehe rechts) oder ist bei der Geschäftsstelle-Süd der Deutschen PalliativStiftung zum Preis von 5,- € erhältlich. 

Kontakt zur Geschäftsstelle-Süd der DPS zum Kauf des Buches:
Stadtberger Str. 21, 86157 Augsburg, Telefon: 0821 455 550 - 0

Kostenloser Download und Online-Bestellung: siehe rechts

Einleitung

Dieser kleine Ratgeber zum Thema „Demenz und Schmerz“ will zweierlei: Demenzkranken möchte er Leid ersparen, das entsteht, wenn Schmerzen nicht gesehen, wahrgenommen und behandelt werden. Den Pflegenden und ggf. dem Betreuer möchte er Kenntnisse und eine gewisse Sicherheit vermitteln im Erkennen und adäquaten Umgang mit Schmerzen bei Patienten, die ihre Schmerzen nicht mit eigenen Worten zum Ausdruck bringen können.

Das Buch richtet sich an pflegende Angehörige ebenso wie an professionell Pflegende. Beiden Gruppen fällt es nicht immer leicht, die Signale des Schmerzes bei einem dementen Menschen, der ihnen anvertraut ist, richtig zu deuten. Wohl kennen pflegende Angehörige die Persönlichkeit des Kranken über einen langen Zeitraum und ebenso haben professionelle Pflegende sich Kenntnisse über Schmerzen während ihrer Ausbildung und durch Berufserfahrung angeeignet. Dennoch ergeben sich immer wieder Zweifel, ob in einer bestimmten Situation Schmerzen beim Demenzkranken eine Rolle spielen können und wie dies ggf. einzuschätzen und zu lösen ist.

Die Idee zu diesem Buch entwickelte sich aus unserer täglichen ärztlichen Arbeit der Behandlung chronisch Schmerzkranker und palliativmedizinisch begleiteter Patienten. Seit 1997 behandeln wir in unserer schmerztherapeutischen Praxis nahezu ausschließlich Patienten aus diesen beiden Gruppen, sowohl Patienten, die uns in der Praxis aufsuchen als auch solche, die in Pflegeeinrichtungen leben. Ein Teil unserer Patienten ist nicht nur chronisch schmerzkrank, sondern zusätzlich an Demenz erkrankt. Umgekehrt werden wir in der täglichen Arbeit immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen eine Schmerzkrankheit bereits seit langer Zeit besteht und nicht ausreichend behandelt wurde. Und wir erleben die Hilflosigkeit der Patienten wie auch deren Helfer.

Nicht selten waren aber auch Angehörige und Pflegende eines an Demenz Erkrankten vorher mit ihrem Wunsch und Bemühen, dem dementen und nach ihrer Ansicht gleichzeitig schmerzkranken Patienten zu helfen, auf taube Ohren gestoßen. Leider ist es statistisch immer noch so, dass Demenz-Patienten wesentlich seltener und in geringerer Menge mit Schmerzmitteln behandelt werden als nicht-demente ältere Menschen, insbesondere wenn sie in einem Heim leben. Das hat nicht vorrangig mit der Qualität der Pflegeheime zu tun. Es scheint, als sei das Vorurteil, alte und insbesondere demente Patienten hätten angeblich weniger oder sogar überhaupt keine Schmerzen, noch immer weit verbreitet. Selbst in sehr guten Pflegeheimen wird häufig der Fokus der Aufmerksamkeit der Pflegenden noch zu wenig auf eine möglicherweise bestehende Schmerzerkrankung der Bewohner gelegt. Unruhezustände eines Patienten können sicherlich im Rahmen der Grunderkrankung Demenz infolge der organischen Hirnschädigung auftreten. Jedoch haben nach unserer Erfahrung Unruhe oder „Aggressivität“ eines Patienten, z.B. beim Waschen oder anderen Pflegemaßnahmen, mitunter eine ganz andere Ursache, nämlich eine nicht ausreichend behandelte Schmerzerkrankung. Die Verabreichung lediglich von Beruhigungsmitteln in dieser Situation ist so, als bekämpfe man einen Wasserrohrbruch allein mit einer Pumpe zum Abpumpen des unvermindert weiter ausströmenden Wassers. 

Wenn eine Schmerzkrankheit vorliegt, so ist diese selbstverständlich behandlungsbedürftig, der Patient hat ein Recht darauf. Die neurologischen Gesetzmäßigkeiten des Schmerzerlebens und der Ausbildung eines sogenannten „Schmerzgedächtnisses“ bei chronischen Schmerzen gelten für alle Menschen jeder Altersstufe gleichermaßen und unabhängig vom Vorliegen einer weiteren Erkrankung (z.B. einer Demenz). Niemand käme ernsthaft auf den Gedanken, ein Diabetiker oder ein an einer anderen chronischen Krankheit Erkrankter habe aufgrund dieser Tatsache keine Schmerzen mehr! Eher das Gegenteil ist der Fall, wie man heute aus der Grundlagenforschung weiß. Warum also sollte es sich ausgerechnet mit der chronischen Krankheit „Demenz“ anders verhalten? Für Angehörige und Pflegende eines demenzkranken Schmerzpatienten ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, wie schnell und nachhaltig eine Schmerzbehandlung möglich ist und wie nicht selten Unruhe, Schreien und andere Unmutsäußerungen des Kranken daraufhin zurückgehen. Auch für uns als Schmerztherapeuten ist es dann beglückend, nicht nur den betroffenen Patienten selbst helfen zu können, sondern gleichzeitig auch zur Entspannung, Erleichterung und Zufriedenheit bei Angehörigen und Pflegenden beitragen zu können.

In der ohnehin schon sehr belastenden Situation, für jemanden teilweise 24 Stunden am Tag sorgen zu müssen, der sich nicht mehr orientieren oder eindeutig mitteilen kann, stellen unbehandelte Schmerzen einen erheblichen zusätzlichen Stressfaktor dar. Auch ohne die Schmerzerkrankung ist das Zusammenleben mit einem dementen Menschen belastend und anstrengend. Der Verlust der Alltagsfähigkeiten sowie der gefühlsmäßigen Schwingungsfähigkeit, das Nachlassen des Austauschs und die zunehmende innere Isolation wie auch der gestörte Schlaf-Wach-Rhythmus kennzeichnen als Mosaikstücke das Miteinanderleben von dementen und nicht-dementen Menschen. Dies erfordert stetige Achtsamkeit. Das Thema „Selbstfürsorge“ der Pflegenden spielt hier eine wichtige Rolle, auf die im letzten Kapitel noch eingegangen wird.

Im vorliegenden Ratgeber wird bewusst darauf verzichtet, zu den Themen Krankheitsentstehung und mögliche Ursachen der Demenz, Diagnose, nichtmedikamentöse und medikamentöse Behandlung der Demenz selbst, Krankheitsstadien, Prophylaxe usw. eingehend Stellung zu nehmen. Hierzu wie auch zu anderen Facetten des Themas „Demenz“ gibt es bereits eine Reihe guter und inhaltlich erschöpfender Ratgeber und Fachbücher, auf die hiermit verwiesen wird. Es besteht jedoch, nicht nur nach unserer eigenen Erfahrung, eine bedeutsame Lücke eben beim Thema „Demenz und Schmerz“. Auch mehrere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass es hier in größerem Maßstab eine erhebliche Unterversorgung zu geben scheint. Das vorliegende Buch soll einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen. Denn in der Regel gilt, dass wir nur das wahrnehmen können, was wir kennen und worüber wir bereits etwas wissen.

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