Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V.

Gemeinsames Rahmenkonzept für Hospizarbeit und Palliativversorgung in der Region Augsburg

Gemeinsames Rahmenkonzept für Hospizarbeit und Palliativversorgung in der Region Augsburg

 

Die Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V. hat von 2014 - 2016 ein gemeinsames Rahmenkonzept erarbeitet und in Vorstand und Delegiertenversammlung beschlossen. Es wird am 11. (Festakt) und 13. Juli 2016 (20. AHPG) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Rahmenkonzept steht im Shop > Bücher in gedruckter Form (Schutzgebühr 20,- €)  bzw. als PDF zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Hintergrund

Von Anfang an war es der Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V. ein Anliegen, dass die Einwohnerinnen und Einwohner unserer Region, die unheilbar krank sind, an einer weit fortgeschrittenen Erkrankung leiden oder am Ende ihres Lebens stehen, die bestmögliche Behandlung, Pflege, Betreuung und Begleitung in Hospizarbeit und palliativer Versorgung erhalten. Die sich ergänzenden Handlungsansätze Palliative Care und Hospizarbeit haben gemeinsame Wurzeln, ihre Entwicklung in Deutschland und auch in Augsburg begann jedoch ganz unterschiedlich. Sie sind zwei Ausprägungen ein und derselben Hospizidee: Sie möchten Menschen in dieser Lebensphase umfassend betreuen und begleiten und damit zu einer möglichst guten Lebensqualität bis zuletzt und einem Leben bis zuletzt beitragen.

Bereits heute setzt sich ein Großteil der Institutionen und Fachpersonen der regionalen Gesundheitsversorgung mit Hospizarbeit und Palliativversorgung auseinander. Allerdings können noch nicht alle Menschen, die dies benötigen, von einer ihrem Bedarf und ihren Bedürfnissen entsprechenden Hospizarbeit und Palliativversorgung profitieren: Noch bestehen Lücken im Angebot, in der Qualifizierung der Mitarbeitenden und an den Schnittstellen zwischen den Versorgern sowie ungelöste Fragen in der Finanzierung, insbesondere in der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung.

Konzeptarbeit als konstruktiven Begegnungsprozess erlebbar machen

De AHPV versteht sich als regionales Netzwerk. Der Verein hat keinerlei Weisungsbefugnis gegenüber seinen Mitgliedern, sondern sieht in der Kommunikation und Kooperation die zentralen Chancen, die vernetztes Arbeiten bietet.

Nachdem die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in der Region so gut implementiert worden war, beschloss der Vorstand der AHPV im Jahr 2014 einstimmig, nun nicht einzelne Projekte durchzuführen, sondern zunächst ein „Konzept“ für die nächsten Jahre zu erstellen. Dabei war allen Beteiligten klar, dass unter einem Konzept unterschiedliche Vorstellungen vereinigt werden müssen: Während einige unter Konzept einen skizzenhaften, stichwortartigen Entwurf verstehen, ist dies für andere bereits ein klar umrissener Plan oder Programm für ein Vorhaben mit präzisen Aussagen – sozusagen vergleichbar mit einer Handlungs- oder Gebrauchsanweisung. Und wieder andere verstehen unter dem Begriff eines Konzepts eine Idee oder Ideal; also eine aus der Wahrnehmung abstrahierte Vorstellung.  Der Vorstand der AHPV ging bei seinem Beschluss von der Vorstellung aus, keine Handlungs- oder Gebrauchsanweisung zu verfassen, sondern aus seinem Grundverständnis eines regionalen Netzwerks die Ideen und vielfältigen Vorstellungen in Arbeitskreisen zu verdichten und in einem gemeinsamen Papier als „Rahmenkonzept“ zu veröffentlichen.

Das vorliegende Rahmenkonzept ist deshalb bewusst in einem konstruktiven Auseinandersetzungsprozess entstanden, an dem sich erfreulich viele Mitglieder (und zum Teil auch Nichtmitglieder) mit 95 Mitarbeitenden beteiligt haben. Naturgemäß sind dabei nicht immer alle einer Meinung, aber auf der Mikroebene (also der direkten Versorgungsebene) herrschte in vielen Arbeitskreisen (AK) weitgehende Einigkeit darüber, was erforderlich ist und wo die Herausforderungen liegen. Gleichzeitig mussten alle AK-Mitarbeitenden auch die organisationellen Eigeninteressen ihrer Arbeitgeber vertreten. Um einen Konsens wurde zum Teil heftig und kontrovers gerungen. Dieser Prozess war erwünscht und am Ende war nur in einigen wenigen Einzelfällen kein Konsens herstellbar.

Ein Spannungsfeld war dies insbesondere auch für Organisationen, die weit über die AHPV-Region hinaus – Stadt und Landkreis Augsburg – tätig sind, z. B. in der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der Behindertenhilfe oder der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Die AHPV als lokales Netzwerk musste diese lokale Begrenzung jedoch aus ihrem Vereinszweck heraus vorgeben.
Eine Herausforderung war auch die vom Verein vorgegebene zeitliche Taktung, innerhalb der das Rahmenkonzept zu einer „finalen“ und abgestimmten (!) Version gebracht werden musste. Mancher Wunsch nach vertiefter Bearbeitung musste hintangestellt werden – zugunsten des Gesamtziels, in vertretbarer Zeit eine gemeinsame Strategiegrundlage für den Verein zu schaffen.

Das Rahmenkonzept als Idee verstehen

Vor diesem Hintergrund stehen wir bewusst zu unserem scheinbar „unfertigen“ Konzept im Platon’schen Verständnis einer „Idee“. Es macht sichtbar, dass angesichts der Dynamik, der vielen Beteiligten und des Wachsens des Netzwerks ein Status erhoben wurde, der auch Offenes und Ungesichertes enthält und der nicht abschließend sein kann. Das Konzept ist ein versuchter Meilenstein im fortlaufenden Prozess und zeichnet ein Bild dessen, was notwendend ist.

Auf der einen Seite stand die Erarbeitung der Grundlagen: regionale Grundlagen und Vorgeschichte, überregionale Bezüge sowie der Versuch einer Darstellung der Ist-Situation und des Bedarfs der Hospizarbeit und Palliativversorgung in der Region Augsburg. An dieser Stelle wurde mit Dr. Michael Monzer auch ein „Externer“ eingebunden, der sich intensiv mit Case und Care Management auseinandergesetzt hat und sein Wissen in die Grundlagenkonzeption einer netzwerkinternen Servicestelle eingebracht hat.

Auf der anderen Seite stand der bereits erwähnte Auseinandersetzungsprozess in vielen Arbeitsgruppen über insgesamt fast ein Jahr mit all seinen Interaktionen, Querverbindungen und konstruktiven Aushandlungsprozessen. Insgesamt war dieser konstruktive Auseinandersetzungsprozess sehr dynamisch und wertvoll für das künftige Miteinander und die Entwicklung in der Region. Das vorliegende Rahmenkonzept spannt den Rahmen auf, innerhalb dem die Mitgliedsorganisationen handeln können – aber natürlich nicht müssen. Eine Verbindlichkeit für das künftige Miteinander ergibt sich immer nur aus der freiwilligen Selbstverpflichtung der Mitglieder.

Das Konzept benennt nicht nur bereits bestehende Versorgungsangebote, sondern – im Sinne einer Vision – auch noch nicht existierende Versorgungsformen wie die Integrierte Ambulante Palliativversorgung. Das ist gewollt und soll zu der weiteren Diskussion beitragen, was genau die besten Versorgungsformen sind und wie diese zusammenspielen können. Manche offene Diskussion zeigt auch, wie notwendig weitere Aktivitäten in den Handlungsfeldern Netzwerkarbeit, Forschung und Fortbildung sind, die in der tagtäglichen Versorgung nicht vordringlich wahrgenommen werden.

Konkret Ziele und Maßnahmen benennen und umsetzen

Deshalb will die Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V. (AHPV) in den kommenden Jahren verstärkt Anstrengungen unternehmen, um die regionalen Rahmenbedingungen für gute Arbeit und gute Qualität in der Palliativversorgung und Hospizarbeit zu verbessern. Sie will – im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten – dort Angebote unterstützen, wo diese noch auf- und ausgebaut werden müssen. Zeitgleich sollen alle drei Kernelemente guter Versorgung adressiert werden: Betroffenenorientierung, Qualität und Wirtschaftlichkeit. Sie sind notwendig, um langfristig gut ver- und fürsorgen zu können.

Nach vorne blicken und daraufhin arbeiten

So hoffen wir als AHPV, dass wir mit diesem Konzept einen wichtigen Grundstein für die Weiterentwicklung der Palliativversorgung und Hospizarbeit in unserer Region legen können und damit ermöglichen, dass immer mehr Menschen, die Versorgung und Fürsorge in ihrer letzten Lebensphase benötigen, davon profitieren werden. Allein die eineinhalbjährige Erstellung dieses Rahmenkonzepts hat bereits mehr an Kommunikation, Kooperation und konkreten Verbesserungen in Gang gesetzt als wir uns erhofft hatten.

Für uns ist dieses regionale Rahmenkonzept auch eine dringend benötigte Antwort auf die Anfrage nach aktiver Sterbehilfe bzw. assistierter Beihilfe zum Suizid. Hierzu haben wir im Juli 2014 unsere Erklärung gegen aktive Lebensverkürzung  publiziert, in der wir als AHPV e.V. eindeutig mitteilen, dass aktive Lebensverkürzung keinen Auftrag an Hospizarbeit und Palliativversorgung darstellen kann. „Nicht den Leidenden, sondern das Leiden nehmen“ ist in einem Satz zusammengefasst das, was wir als unseren Auftrag wahrnehmen. Inwieweit sich die deutsche Gesellschaft dieser Auffassung anschließt und bereit ist, den ökonomisch aufwendigeren Weg einer guten Versorgung und Fürsorge anstelle der billigeren Selbsttötung zu gehen, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir nur dann Menschen bis zuletzt begleiten können, wenn wir diesen ihre Ängste nehmen; wenn diese von den Möglichkeiten einer entsprechenden Begleitung wissen; und wenn diese für sich ein lebenswertes und abgesichertes Leben bis zuletzt erhoffen können.

Die AHPV dankt allen, die zur Verbreitung und Umsetzung der Palliativversorgung und Hospizarbeit in der Region Augsburg beitragen. Wir freuen uns schon heute auf die vielen weiteren positiven Entwicklungen, die wir gemeinsam oder einzelne von uns anstoßen, konzipieren und umsetzen werden.

 

News

08. November 2018
Klinikum Augsburg beteiligt sich an dem ausgezeichneten Versorgungsmodell „integrierte Allgemeine Palliativversorgung“ (i-APV)
07. September 2018
i-APV: Hohe Auszeichnung von Deutschlands Palliativmedizinern
15. Juni 2018
Notfallvorrat: Downloads der Arbeitshilfen für Ärzte und Apotheker abrufbar

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Fortbildungen 2019

Fortbildungsprogramm von 11 regionalen Anbietern: Über 90 Termine vom Halbtageskurs bis zur mehrwöchigen Palliative-Care-Qualifikation, zudem Beratungsstellen und Trauerangebote.

Download "Fort- und Weiterbildungsangebote in Hospizarbeit und Palliativversorgung der Region Augsburg 2019" (114 Seiten)

Download Fortbildungskalender Übersicht 2018

Kontakt

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